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Fotografieren mit Filter – der Graufilter

Das Fotografieren mit Filter ermöglicht es spannende Bildeffekt zu erzielen. Ein gern genutzter Filter ist hierbei der Graufilter.

In diesem Beitrag zeige ich dir, was es mit dem Graufilter auf sich hat, wie du den Graufilter einsetzt, worauf beim Kauf zu achten ist und wie sich dieser auf deine Belichtungszeit auswirkt.

Der Graufilter

Der Graufilter wird häufig auch als Neutraldichtefilter oder ND-Filter bezeichnet. Hierbei handelt es sich um Glas- oder Kunststoffscheiben optischer Güte. Je nach Filtersystem kann man diese als Scheibe oder eingefasst in einem Metalring als Schraubfilter verwenden.

Was der Unterschied zwischen Einschub- und Schraubfilter ist, habe ich in einem älteren Beitrag erklärt: Fotografieren mit Filter: Schraub- oder Einschubfilter?

Währender der Suche nach Graufilter in Online-Shops stößt man häufig auf unterschiedlichste Bezeichnungen. ND3.0, ND1000, ND64x, usw. Hierbei ist meist die Neutraldichte oder der Verlängerungsfaktor der Belichtungszeit gemeint.

Anhand folgender Tabelle möchte ich dir drei gängisten Graufilter und deren unterschiedlichen Bezeichnungen bzw. Wirkungsweisen zeigen:


VerkaufsbezeichnungNeutraldichteLichtdurchlässigkeitVerlängerungsfaktor der Belichtungszeit
ND80,912,6%8-fach
ND641,81,6%64-fach
ND10003,00,1%1000-fach

Neben unterschiedlichen Bezeichnungen, werden die Graufilter auch in unterschiedlichen Größen angeboten. Grundsätzlich gilt hier:

  • bei Schraubfiltern bezieht sich die mm-Angabe auf den Objektivdurchmesser
  • bei Einschubfiltern bezieht sich die Angabe auf die Höhe und Breite des Filters und betrifft damit die Breite deines Einschubs des Filterhaltersystems

Die Anwendungsgebiete

Der Graufilter kommt meist dann zum Einsatz, wenn man ..

  1. .. mittels Blende nicht ausreichend abdunkeln kann, um eine Überbelichtung des Bildes zu erreichen
  2. .. man Bewegungen durch eine möglichste lange Belichtungszeit verschwimmen lassen möchte

Der erste Fall tritt meist ein, wenn man mit offener Blende fotografieren möchte, um ein Objekt hervorzuheben und das Licht (i.d.R. das Tageslicht) zu hell ist. Beispielsweise könnte dies bei einem Fotoshooting am Strand der Fall sein. Wenn blauer Himmel gefragt ist und das Meer, sowie der Strand zusätzlich das Licht reflektieren und die Verschlusszeit nicht kürzer einzustellen geht.

Im zweiten Fall möchte man künstlich die Belichtungszeit verlängern, um eine Bewegungsunschärfe zu erzielen. Das Stilmittel setzt man häufig beim Fotografieren von Gewässern ein, z.B. bei einem Wasserfall oder einem Bachlauf.

Das möchte ich dir am Beispiel eines isländischen Wasserfalls zeigen:

Svartifoss - ND64 Filter - f11 - 2 Sek. - ISO200 - 24mm

Svartifoss – ND64 Filter – EXIFS:  f11, 2 Sek., ISO200, 24mm

Der Kauf

Beim Einkauf von Graufiltern ist darauf zu achten, dass diese eine möglichst große Farbneutralität haben. Das heißt, die Filter sollten die Farbinformationen nicht verfälschen. Bei billigen Produkten kann es vorkommen, dass langbelichtete Fotos milchig-lila werden.

Jedoch heißt billig nicht gleich schlecht. Gute Erfahrungen habe ich bisher mit den Produkten von Haida gemacht (Im Test: Haida Filterhalter für das Nikon 14-24mm). Ebenfalls gute Dienste leistet mir ein Graufilter von B+W (dieser stammt jedoch aus dem teuren Segment).

Betrifft nur Schraubfilter: Neben der Verfälschung von Farbinformationen gilt es beim Kauf von Graufiltern auch auf die Rahmenstärke zu achten. Besonders „dicke“ Fassungen können bei Aufnahmen mit Weitwinkel zu starken Randabschattung führen.

Theodor-Heuss Brück - ND1000 Filter - f11 - 48 Sek. - ISO800 - 14mm

Ohne Randabschattung, die Theodor-Heuss Brück – ND1000 Filter – EXIFS: f11,  48 Sek., ISO800, 14mm

Wo kann man die genannten Kriterien prüfen?

Vor dem Kauf prüfe ich Beispielfotos und lese mir Erfahrungsberichte durch. Eine gute Quelle für Erfahrungen unterschiedlichster Art sind natürlich Blogs und die Suche in Google. Auf Amazon findet man ebenfalls zahlreiche Erfahrungsberichte und Beispielbilder zu ausgewählten Filtern.

Mit Graufilter fotografieren

Beim Fotografieren mit Graufilter wird sicherlich jeder seine eigenen Gewohnheiten entwickeln, daher möchte ich mir nicht anmaßen von „richtigem Fotografieren mit Graufilter“ zu sprechen.

Genau aus diesem Grund stelle ich dir einfach dar, wie ich sie anwende und was ich dazu benötige. Grundlegend notwendig sind für Fotos mit Graufilter drei Dinge:

  1. Kamera (inkl. Objektiv natürlich ;-) )
  2. Stativ
  3. Graufilter

.. und nun zur Vorgehensweise für Landschaftsfotos mit „leichtem“ Graufilter (bspw. ND64):

  1. Stativ und Kamera aufbauen und entsprechend auf Motiv richten
  2. Bei optischen Suchern die Okularabdeckung anbringen und auf Live-View stellen
  3. Selbstauslöser mit 2 Sekunden einstellen
  4. Zeitautomatik (Modus A, Av) einstellen
  5. Bildkomposition festlegen und auf das Motiv fokussieren (Tipps für bessere Fotos: der Bildaufbau)
  6. Falls kein Back Button Focus aktiv, den Autofokus ausstellen
  7. Filter anbringen
  8. Auslösen
  9. Falls mit das Bild zu dunkel oder zu hell wird, mittels Belichtungskorrektur korrigieren und erneut auslösen
Island Wasserfall an Ringstraße - ND64 Filter - EXIFS: f11, 0.6 Sek., ISO100, 24mm

Island Wasserfall an Ringstraße – ND64 Filter – EXIFS: f11, 0.6 Sek., ISO100, 24mm

Bei richtig dicken Filtern, den sogenannten Big Stoppern (ND1000) gehe ich folgendermaßen vor:

  1. Stativ und Kamera aufbauen und entsprechend auf Motiv richten
  2. Bei optischen Suchern die Okularabdeckung anbringen und auf Live-View stellen
  3. Selbstauslöser mit 2 Sekunden einstellen
  4. Bildkomposition festlegen und auf das Motiv fokussieren (Tipps für bessere Fotos: der Bildaufbau)
  5. Zeitautomatik (Modus A, Av) einstellen
  6. Ermittelte Belichtungszeit ablesen
  7. Manuellen Modus (M) einstellen
  8. Belichtungsdauer des Fotos mittels App (ND Filter Rechner) errechnen
  9. Falls kein Back Button Focus aktiv, den Autofokus ausstellen
  10. Filter anbringen
  11. Auslösen und entsprechend der errechneten Belichtungszeit das Bild belichten (Häufig ist der Beliebig oder Bulb-Modus notwendig sowie ein Fernauslöser)
  12. Falls mit das Bild zu dunkel oder zu hell wird, entsprechend länger oder kürzer belichten
Islands berühmtes Flugzeugwrack - ND1000 Filter - EXIFS: f14, 30 Sek., ISO50, 24mm

Islands berühmtes Flugzeugwrack – ND1000 Filter – EXIFS: f14, 30 Sek., ISO50, 24mm

FAQ

  • Wieso benötigt man ein Stativ?
    Mit dem Graufilter zielst du bei Landschaftsaufnahmen auf lange Belichtungszeiten (häufig mehr als eine halbe Sekunde) ab. Damit wird es unmöglich Fotos frei aus der Hand aufzunehmen.
  • Wieso benötigt man bei optischen Suchern eine Okularabdeckung?
    Die Okularabdeckung wird benötigt, um ungewollten Lichteinfall durch den Sucher zu verhindern. Selbst geringe Lichtmengen können bei Eintritt in das Gehäuse eine Langzeitbelichtung unbrauchbar machen.
  • Wieso benutze ich keinen Fernauslöser?
    Ich nutze selten ein Fernauslöser, weil ich meist zu faul bin ihn rauszuholen. Schneller geht es einfach die Kamera auf 2 Sekunden Selbstauslöser einzustellen und damit auszulösen. Damit entgeht man auch der Gefahr der Verwacklung. Bei Aufnahmen mit Bulb kommt man meiner Erfahrung nach jedoch kaum an einem Fernauslöser vorbei.
  • Wieso bringe ich den Filter nach dem Ausrichten auf das Motiv an?
    Starke Graufilter dunkeln das Bild so ab, dass man weder im Live View noch im Sucher das Motiv erkennen kann. Daher lieber vorher ausrichten. Das spart einige Versuche die Kamera mit Filter auszurichten.
  • Wieso stelle ich den Autofokus aus?
    Der Autofokus benötigt Kontrast um scharf zu stellen. Gleichzeitig reduziert der Graufilter die Lichtmenge deutlich. Wenn du bei schwachen Lichtbedingungen schon mal fotografiert hast, verstehst du was ich meine. Bei schwachem Licht arbeitet der Autofokus einfach schlechter und in absoluter Dunkelheit fast gar nicht mehr. Daher lieber vor dem Anbringen des Graufilters den Autofokus ausstellen und die Kamera auf das Motiv richten.

Was sind häufige Probleme und Fehler beim Fotografieren mit Graufiltern

Die häufigsten Fehler oder auch Probleme von denen ich lese, sind Fremdlichteinfall bei Langzeitbelichtungen. Dies tritt meist auf zwei unterschiedlichen Wegen auf:

  1. Okular ist nicht richtig verschlossen oder verdeckt
  2. Der Body, das Objektiv oder der Filter(-halter) sind nicht zu 100% dicht

Wie man sowas erkennt, ist ganz einfach:

So sieht es aus wenn Fremdlicht eintritt

So sieht es aus wenn Fremdlicht eintritt

Meist reflektiert sich das einfallende Licht und hinterlässt lila Spuren auf den Bildern. Je nach Intensität des Lichteinfalls ist die Reflektion stärker oder weniger stark auf den Fotos zu erkennen.

Was hilft?

Sollte Licht durch den Sucher eintreten, einfach die Okularabdeckung verwenden. Sollte Licht durch Objektiv oder Body kommen, sollte man sich den Hersteller wenden. Eigentlich sollten diese zu 100% lichtdicht sein.

Was viele Fotografen machen, um den Lichteinfall am Objektiv oder Filterhalter zu unterbinden: Sie kaufen einen schwarzen Schlauchschal. Klingt lustig, scheint aber tatsächlich zu helfen.

 


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Wie sind deine Erfahrungen mit Graufilter? Schreib‘ uns einfach und hinterlasse einen Kommentar!

 

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2 Kommentare zu “Fotografieren mit Filter – der Graufilter

  1. ich hab genau die drei graufilter, die du hier aufzählst :) und ich habe sie in diesem sommerurlaub auch ENDLICH einmal benutzt, da ich sowohl stativ, als auch filter mit hatte, haha. die beispiele, die du zeigst, sind wie immer großartig. wunderschöne bilder entstehen, wenn man ein geduldigerer mensch ist als ich und auch mal zu unchristlicheren zeiten die fotohufe schwingt ;)

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