astrofotografie - technik

Astrofotografie – Technik: Body, Objektiv & Co

In meinen letzten beiden Astrofotografie-Posts ging es um die richtigen Rahmenbedingungen beim Sternefotografieren.

Heute schreibe ich über das Grundgerüst der Astrofotografie – die Technik.

Technik: Body, Objektiv & Co

Prinzipiell können mit jeder Art von Kamera, mit jeder Art von Objektiv und mit jedem Body Sterne fotografiert werden. Egal, ob GoPro, Kompaktkamera oder 5.000€-DSLR – alle Kameras werden ein Resultat liefern. Die Frage ist nur, gebt ihr euch damit zufrieden?

Ich möchte drei Attribute hervorheben, die aus meiner Sicht ein gutes Bild im Bereich der Astrofotografie ausmachen:

  1. Rauschen des Bildes
  2. Klarheit/Abbildung der Sterne
  3. Bildkomposition

Exemplarisch für die drei genannten Faktoren stehen die nachfolgende Werke. Sie wurden von zwei wirklich herausragenden Astrofotografen aufgenommen.

Colorful twist :) Last night sky was literally shining due to quite intense airglow and we were really lucky to witness it. It was so strong that one could hardly see Magellanic clouds through those colorful emissions. Absolutely amazing view ! Here is my image of the night – this is almost 360 degrees panoramic view. Domes of 6.5-m Magellan telescopes are on in the right. I hope you’ll enjoy the view ! #Chile #airglow #special_shots #hot_shotz #milkyway #nightsky #night #nighttime #discoversouthamerica #astrophotography #apod #stargazing #longexpoelite #universetoday #travel #earthpix #awesome_earthpix #discoverearth #awesomeearth #thebest_capture #wonderful_places #travel_captures #instagood #instacool #amazing_longexpo #longexpoelite #SpaceAttraction #nightphotography #nightscaper #ig_astrophotography @earthpics @nightphotography @nightphotography_exclusive

Ein von Yuri Beletsky (@yuribeletsky) gepostetes Foto am


Um auf die drei genannten Punkte guter Astrofotos zurückzukommen, ist es besonders der erste, der sich durch Technik beeinflussen lässt:

Das Bildrauschen ist vom Sensor abhängig.

Platt formuliert, lässt sich behaupten: Je größer der Sensor, desto geringer das Rauschen bei gleichem ISO-Wert.

Mit Abstrichen, ist es auch der zweite Punkt (die Abbildung der Sterne), der sich durch Technik beeinflussen lässt.

Vorausgesetzt ich bin an einem maximal dunklen Ort, kann ich nur dann besonders viele Sterne fotografieren, wenn der Sensor ausreichend Licht erfassen kann.

Dies gelingt durch eine kurze Brennweite und eine Blende, die sich besonders weit öffnen lässt. (Die Erklärung dazu erfolgte in meinem Astrofotografie-Artikel zu den Einstellungen)

Für gute Astrofotografie-Ergebnisse benötigt man also einen rauscharmen Sensor und ein Objektiv mit kurzer Brennweite und kleiner Blendenzahl (hoher Lichtstärke).

Welche Technik es aktuell in diesem Segment gibt, möchte ich euch nun zeigen.

Welches Objektiv?

Die Eigenschaften einer kurzen Brennweite und einer hohen Lichtstärke vereinigen mittlerweile einige Objektive auf dem Markt. Die Klassiker, die in vielen Foren immer wieder für die Astrofotografie empfohlen werden, sind das Nikon 14-24 f2.8, das SamYang 14 f2.8 und für APS-C das Tokina 11-16 f2.8.

Bei dem SamYang ist es vor allem der niedrige Preis, der ins Auge sticht. Mit aktuell 374€ für das SamYang mit Nikon Bajonett deutlich günstiger als das Nikkor 14-24 f2.8 für aktuell 1.849€ (Stand 07.04.16).

Die Nachteile des SamYang gegenüber dem Nikon Objektiv sind sicherlich der manuelle Fokus und die wohl etwas schlechtere Abbildungsleistung.

Dennoch – für den Preis ist das SamYang wohl das optimale Einstiegsobjektiv in die Astrofotografie.

 

Vergleich Nikkor 14-24 f2.8 und SamYang 14 f2.8

Vergleich Nikkor 14-24 f2.8 und SamYang 14 f2.8 (c) DxOMark

Ein neuer Stern am Astrofotografiehimmel scheint das Sigma 20mm F1.4 DG zu sein (Preis: 925€, Stand 08.04.2016).

Die Reviews von Gunther Wegner und DxOMark zu diesem Objektiv fielen sehr positiv aus:

Für Canon-Nutzer dürfte neben dem Sigma auch das Objektiv Canon EF 11-24mm vielversprechend klingen. Ken Rockwell schwärmt auf jeden Fall vom Canon Objektiv:

The 11-24mm is a magnificent lens. Not only is it the world’s widest lens, it’s also super-sharp and reasonably free from distortion.

Quellen: Ken Rockwell

Allerdings lässt sich Canon dieses Objektiv auch teuer bezahlen – Preis vom 08.04.2016: ca. 3.000€

Welcher Body?

Nikon oder Canon? Dieser Glaubensfrage möchte ich mich nicht widmen.

Fest steht jedoch, wer im Bereich der Astrofotografie das Maximale herausholen will, wird um eine Kamera mit Vollformatsensor nicht vorbeikommen.

Dies wird besonders bei Betrachtung der Low-Light-Performance Tests auf DxO deutlich:

Der Low-Light Test gibt den ISO-Wert eines Sensors an, bei dem ein festgelegtes Rauschverhältnis überschritten wird. Mehr dazu auf DxO

Während man bei einer Sony A7R II bis ISO 3400 ein akzeptables Rauschverhältnis hat, ist dies beim besten APS-C Modell (der Nikon D5500) schon bei ISO 1400 erreicht.

Die spiegellose Sony reißt allerdings mit aktuell 3.300€ ein tiefes Loch in die Portokasse.

Ähnlich teuer sieht es leider auch in anderen Kamera-Kategorien aus:

Die Top-Modelle im Bereich Low-Light-Perfomance nach Kamera-Kategorie

Kompaktkameras:

  • Panasonic Lumix DMC-LX100: ISO 553 – Preis: 625€
  • Canon PowerShot G9 X: ISO 495 – Preis: 419€

High-End-Kompaktkameras:

  • Sony Cyber-Shot DSC-RX1R II: ISO 3204 – Preis: 3.500€
  • Sony Cyber-Shot DSC-RX1R: ISO 2537 – Preis: 2.699€

Spiegellose Kameras:

  • Sony A7S: ISO 3702 – Preis: 1.899€
  • Sony A7R II: ISO 3434 – Preis: 3.300€

Einsteiger DSLRs:

  • Nikon D5500: ISO 1438 – Preis: 599€
  • Nikon D3300: ISO 1385 – Preis: 297€

(Semi-)professionelle DSLRs:

  • Nikon Df: ISO 3279 – Preis: 2.500€
  • Nikon D4s: ISO 3074 – Preis: 5.000€

Preise: Stand 08.04.2016

Meine Empfehlung dazu ist: wer den Neukauf eines Bodies plant, sollte im Bereich der (semi-)professionellen DSLRs Ausschau halten.

Dort ist die Leistungsdichte hoch und die Preise zum Teil sehr unterschiedlich.

So lässt sich aktuell eine Nikon D610, die ebenfalls über ein sehr gutes Rauschverhalten verfügt, bereits für ca. 1300€ neu erwerben. Beispiel-Bilder gibt es auf unserem Blog dazu ;)

Hervorheben möchte ich abschließend noch eine DSLR, die nicht in dieser Übersicht auftaucht – die Nikon D810A.

In 2015 wurde von Nikon die D810A speziell für die »Astrofotografie« entwickelt. Diese hat einen modifizierten Infrarot-Sperrfilter, der besonders empfindlich für sogenanntes H-alpha-Licht (welches kosmischer Nebel emittiert) sein soll.

Wer sich einen Eindruck dieses Kameramodells verschaffen will, dem empfehle ich folgende Links:



Ich hoffe, dir haben meine Tipps zur Technik im Bereich der Astrofotografie gefallen? Dann folge uns doch auf Facebook, Twitter oder Instagram. Gerne kannst du ihn auch mit deinen Freunden teilen.

Du hast bereits Erfahrung im Bereich Astrofotografie und willst uns davon erzählen? Kein Problem, schreib‘ uns einfach oder hinterlasse einen Kommentar.

 

Du willst mehr davon?

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

13 Kommentare zu “Astrofotografie – Technik: Body, Objektiv & Co

  1. Sehr schöner und informativer Beitrag. Ich spare gerade genau aus dem Grund auf das Samyang 12mm f/2.0.

    Doch eure Empfehlung kann ich leider nicht ganz nachvollziehen…

    Wenn ich mir eine Kamera speziell für die Astrofotografie kaufen würde, wäre es wohl min. eine Sony A7II. Aber eigentlich eine A7S, wenn es was richtig gutes sein soll.

    Warum? Weil diese Kamer in der Astrofotografie gerade angesagt ist wie keine andere. Das mag vielleicht gerade eine „Modeerscheinung“ sein (was ich aber nicht glaube) oder am Sensor liegen?!

    Der Trend geht ganz klar Richtung Spiegellosen Systeme, welche auch in der Astrofotografie Bauartbedingt Vorteile mit sich bringen, z.B. kein Spiegel, Live View usw. ;)

    Was bringt die Nikon für ein Vorteil, welchen die Sony nicht hat? Hab ich hier etwas übersehen?

    Bitte versteh mich nicht falsch, ich möchte eure Empfehlung nur verstehen. Weil am Ende soll es ja um das Fotografieren und den Spaß gehen!

    Viele Grüße
    Matthias

    • Hey Matthias,

      vielen Dank für deine kritische Anmerkung.

      Du hast absolut recht. Eine A7S ist, was das Rauschverhalten betrifft, absolut das Maß der Dinge.

      Der Grund, weshalb meine Empfehlung an dieser Stelle aber zur D610 tendiert, ist das aus meiner Sicht beste Preis-Leistungsverhältnis. Wenn Geld keine Rolle spielt, würde ich zur Sony A7 R II greifen.

      Die Bauart bedingten Nachteile habe ich, da hast du recht, nicht wirklich betrachtet – wobei diese aus meiner Sicht auch nur marginal sind.

      Viele Grüße
      Christian

  2. Hallo Christian,

    ich beschäftige mich seit einiger Zeit auch mit Astrofotografie und habe unlängst an einem Workshop teilgenommen. Deine Artikel sind wirklich klasse informativ und super strukturiert, allerdings teile ich deine Meinung nicht, dass es unbedingt eine Vollformatkamera sein muss, um die Milchstraße festzuhalten. Ich selbst fotografiere mit der Nikon D7100 mit APS-C Sensor und diese (sowie ihr Nachfolger die D7200) verfügen wirklich über ein akzeptables Rauschverhalten in den Bereichen bis 3200 und sogar darüber. Und das reicht ja meistens aus. Wichtig finde ich auch noch hervorzuheben, dass gute Sternenfotos zu 50% von optimaler Bildbearbeitung abhängen, im Lightroom kann man wirklich noch sehr viel herausholen und optimieren und kein Foto sieht auf der Kamera so aus wie die spektakulären Aufnahmen die wir von Instagram und Co. kennen.

    Übrigens, ein wirklich gutes Objektiv zu einem akzeptablen Preis (~ 500 €) und mit überraschend guter Abbildungsleistung für APS-C Kameras ist das Tokina 11-16 mm. Vielleicht möchtest du dieses noch in deine Liste aufnehmen.

    Ansonsten kann ich nur sagen: Weiter so! Ich schaue immer wieder gerne hier vorbei!

    Liebe Grüße
    Lisa

    • Hallo Lisa,

      vielen Dank für dein Kompliment zu den Artikeln. Freut mich! :)

      Ja, das mit der Technik ist so eine Sache. Ich habe leider nicht die Möglichkeit, um die Technik & Modelle direkt miteinander zu vergleichen. Daher habe ich mich auf die Messwerte bei DxO bezogen und wollte möglichst objektiv bleiben. Diese besagen, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen APS-C und Vollformatsensor gibt.

      Meine Erfahrung bestätigt das auch. Ich beschäftige mich seit 2010 Jahren mit dem Thema. Dabei habe ich mit verschiedenen Kameramodellen Astroaufnahmen gemacht. Anfangs mit einer Sony Alpha 500 und das letzte mit einer Nikon D610. Der Qualitätsunterschied ist schon deutlich, allerdings liegen auch einige Jahre dazwischen.

      Gerne kann ich dir mal ein RAW-File einer Aufnahme von mir aus Jordanien (Wadi Rum) zusenden. Dann kannst du das ja mal vergleichen, wenn du Lust hast? :)

      Auch das Thema Bildbearbeitung sehe ich bei Astrofotografie nicht so präsent, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Heißt, es muss wirklich dunkel sein, es sollten möglichst wenig Störfaktoren in der Luft sein (Feuchtigkeit, Staub, etc.), das Wetter sollte die Tage zuvor konstant sein, da aufsteigende warme Luftströme ebenfalls das Ergebnis beeinträchtigen können und ich brauche wirklich lichtsensitives Equipment.

      Am Beispiel der beiden Instagram-Bilder in dem Artikel sieht man meiner Meinung nach direkt, dass beim ersten von Tannerstedt deutlich nachgeholfen wurde, da die Milchstraße recht künstlich aussieht. Beim zweiten hingegen wirkt die Milchstraße natürlicher. Ich denke, das hängt damit zusammen, dass beim ersten die Aufnahmeposition nicht ideal war und mit Bildbearbeitung versucht wurde das auszugleichen.

      Danke für den Tipp zum Objektiv! Werde ich noch aufnehmen.

      Liebe Grüße
      Christian

      • Hallo Christian,
        ich glaub das ist ein bisschen falsch rübergekommen: natürlich ist eine Vollformatkamera das Non-Plus-Ultra und den APS-C mit Sicherheit überlegen. (das spiegelt sich ja auch im Preis wider) Ich finde nur, dass es in dem Artikel so rüberkommt, als würde man unbedingt eine Vollformatkamera brauchen, um brauchbare Ergebnisse zu erzielen und das kann ich so nicht bestätigen. :-)

        Über die Bildbearbeitung lässt sich wie immer streiten, ich bin auch kein Fan von Übertreibungen, aber uns wurde im Kurs explizit erklärt, dass gute Astrofotos eben auch gute Bildbearbeitung brauchen und diese bis zu 50% des Ergebnis beitragen. An den „Vorher“ „Nachher“ Bildern konnten wir uns auch selber davon überzeugen. Natürlich soll das Ganze aber weder künstlich noch unnatürlich wirken! ;-)

        Liebe Grüße
        Lisa

  3. Vielen lieben Dank für diesen tollen Artikel. Ich habe Deinen Blog gestern entdeckt und bin ganz begeistert von den vielen schönen Bilder.
    Im Herbst fahren wir wieder nach Südafrika, unter anderem in die Kalahari (da könnten die Bedingungen vielleicht ganz gut sein) und ich möchte das so gerne mal ausprobieren. Leider fotografiere ich mit Canon (5D MarkIII), so daß ich die Empfehlungen nicht ganz 1 zu 1 übernehmen kann. Aber ich bin schon ganz gespannt.
    Hast Du eine Empfehlung für ein gutes Reisestativ, denn das braucht man sicher?

    Liebe Grüße
    Sandra

    • Vielen lieben Dank für das tolle Kompliment! :)

      In der Kalahari sind die Bedingungen sicherlich bestens. Die Herausforderung liegt darin, nachts weit genug von der Unterkunft wegzukommen, um kein Streulicht abzubekommen. Denn fahren sollte man im südliche Afrika bei Dunkelheit ja eigentlich nicht mehr ..

      Beim Reisestativ bin ich leider etwas überfragt. Ich fotografiere schon seit ewigen Zeiten mit einem großen Manfrotto-Stativ (das bekannte 055XPROB :P). Wenn ich aktuell wechseln müsste, würde ich wahrscheinlich wieder bei Manfrotto zuschlagen. Meiner bisherigen Erfahrung nach sind die im Vergleich zu Cullmann langlebiger.

      Viele Grüße
      Christian

    • Hey Sandra,

      ich kann dir das Compact Traveller von Rollei empfehlen! Das gibt es in einer normalen Version aus Aluminium und als super leichte Version in Carbon. (die ist allerdings deutlich teurer) Das Packmaß beträgt nur 33 cm, was für Reisen wirklich ideal ist! Ich hab die normale Variante seit knapp einem Jahr und bin sehr zufrieden damit!

      LG
      Lisa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.