Astrofotografie – Tipps zum Einstieg: Wetter, Standort & Zeitpunkt

Die Astrofotografie steht wie kein anderes Gebiet für die Entwicklung der digitalen Fotografie. Was früher Ergebnis aufwendiger Bildbearbeitung war, ist heute mit rein technischen Mitteln zu lösen.

Lichtstarke Objektive, rauscharme Sensoren und ein hoher Dynamikumfang moderner DSLRs machen’s möglich.

Aber wie funktioniert Astrofotografie und was muss man beachten? Ich möchte euch eine Übersicht über die wichtigsten Themen der Astrofotografie geben. Den Einstieg in meine Reihe von Astrofotografie-Tipps machen die Wahl des richtigen Ortes und des richtigen Zeitpunkts.

Der Einstieg in die Astrofotografie

Bevor es mit den Astrofotografie-Tipps los geht, möchte ich darauf hinweisen, dass ich mit Astrofotografie das Aufnehmen von Astroscapes meine: Eine Kombination aus nächtlicher Landschaft und Sternenhimmel.

Das Fotografieren von einzelnen Sternen bezeichne ich als Deep-Sky-Fotografie.

Wo sind die Nächte am dunkelsten?

Grundvoraussetzung für Astrofotografie ist ein dunkler Ort. Mit dunkel meine ich richtig dunkel! In der Regel reicht es auch nicht, sich einfach mal in das nächstgelegene Waldstück zu begeben.

Der Grund dafür ist die Lichtverschmutzung. Sie führt dazu, dass der Nachthimmel durch künstliche Beleuchtung aufgehellt wird. Die künstliche Aufhellung strahlt soweit ab, dass kilometerweit die Folgen spürbar sind. Das ist auch der Grund, wieso Sternenparks eine Pufferzone um ihre dunkle Kernzone bilden.

Wie so ein Sternenpark aufgebaut ist, könnt ihr am Beispiel des Sternenparks Westhavelland ansehen.

Ihr merkt schon, zum Sterne fotografieren sollte man am besten fernab jeglicher Zivilisation sein ;)

Aber man muss nicht zwangsläufig in einen Sternenpark reisen: Wie ihr dunkle Orte finden könnt, habe ich übrigens in einem Artikel über die dunkelsten Orte in Deutschland geschrieben.

Lichtverschmutzung Hong Kong

Negativ Beispiel Hong Kong: ein lichtverschmutzter Himmel

Natürliches Licht: Sonne, Mond & Sterne

Nicht nur das künstliche Licht, auch das natürliche Licht spielt eine wichtige Rolle beim Fotografieren von Sternen.

Es sollte…

  • .. Nacht sein
  • .. Neumond haben

Manch einer mag sich nun fragen, wieso hier “das Nacht sein” so prominent erwähnt wird, obwohl es ja offensichtlich ist. Der Grund liegt darin, dass es einen Unterschied zwischen der astronomischen Nacht und der umgangssprachlichen Nacht gibt.

Verdeutlichen möchte ich dies an den Monaten Mai, Juni, wenn in Deutschland »die Nächte kürzer werden«. Tatsächlich ist es so, dass es in dieser Zeit aus astronomischer Sicht gar keine Nacht gibt. Die maximal dunkelste Phase ist immer noch eine Dämmerphase. Aus diesem Grund ist diese Zeit für Astrofotos in unseren Breiten ungeeignet.

Nachfolgend eine Übersicht der verschiedenen Dämmerungsphasen und der jeweiligen Tiefengradangabe zum Stand der Sonne.

Tiefenwinkel des Sonnenstands der jeweiligen Dämmerungsphase

Tiefenwinkel des Sonnenstands der jeweiligen Dämmerungsphase

Linkempfehlung zur Planung

Eine gute Übersicht über aktuelle Mondphase, die Tages- und Nachtlänge, sowie die Dämmerphasen findet ihr unter folgendem Link:

Wer mehr über die einzelnen Dämmerungsphasen lesen möchte, ist wie so oft auf Wikipedia gut aufgehoben:

2 Uhr morgens auf Sylt

Die Dämmerung um 2 Uhr morgens auf Sylt

Das Wetter und der Aufnahmestandort

Nachdem wir über künstliches und natürliches Licht gesprochen haben, führt uns der Weg zu den perfekten Astrofotografie-Bedingungen zum Wetter.

Wie ihr euch sicherlich schon denken könntet, lautet die wichtigste Voraussetzung:

  • ein klarer Himmel

Allerdings kann es trotz klarem Himmel zu schlechten Astrofotografie-Ergebnissen kommen. Der Grund könnte in folgenden Punkten liegen:

  • hohe Luftfeuchtigkeit
  • kaum sichtbarer Hochnebel
  • wechselhaftes Wetter
  • Dunst oder Staub in der Atmosphäre

Dunst oder Staub in der Atmosphäre erkennt man daran, wenn bereits tagsüber der eigentlich tiefblaue Himmel eher hellblau anmutet. Auch der abendliche Sonnenuntergang gibt je nach Farbintensität Auskunft darüber, ob die Transparenz des Himmels gut oder schlecht ist.

Um die oben genannten Problematiken zu umgehen, ist es ratsam, Astrofotos von einem erhöhten Standpunkt aus und nicht in unmittelbarer Nähe zum Meer aufzunehmen.

Grundregel hier: Je mehr Höhenmeter die Aufnahmeposition hat, desto klarer der Himmel (das ist auch der Grund, wieso sich die größten Teleskope in mehreren tausend Metern Höhe befinden).

Prädestiniert für die Astrofotografie sind vor allem Regionen mit Wüstenklima, z.B. Namibia, Chile oder Jordanien. Man hat dort fast ganzjährig einen klaren Himmel (>300 Sonnentage) und die Luftfeuchtigkeit ist gering.

In Portugal gibt es einen Sternenpark (Portugals Sternenpark: Dark Sky Park Alqueva), der ähnliche Bedingungen aufweist. Weiterhin zieht es viele Astrofotografen auf die Kanareninsel Teneriffa. Auf dem Teide herrschen ebenfalls sehr gute Bedingungen für die Astrofotografie.

Sichtbarkeit der Milchstraße

Ein begehrtes Himmelsobjekt der Astrofotografie ist die Milchstraße.

Die Milchstraße ist unsere “Heimatgalaxie” und umfasst ca. 100-300 Milliarden Sterne. Unsere Galaxie ist eine sogenannte Spiralgalaxie in deren äußeren Arm (dem Orion-Arm) unser Sonnensystem liegt.

Ein Großteil der bis zu 300 Milliarden Sterne liegt im Zentrum der Milchstraße, dem sogenannten Bulge.

Deutlich wird das anhand eines Panoramabildes, das die Europäische Südsternwarte aufgenommen hat. Es zeigt den Blick von der Erde auf die Milchstraße über mehrere Wochen hinweg.

Das Zentrum der Milchstraße ist aufgrund seiner Färbung, der Sternendichte und der damit verbundenen Lichtstärke der Teil, der besonders für Fotos interessant ist.

Auf der Nordhalbkugel ist das Zentrum der Milchstraße, allerdings schlecht sichtbar. Nur in den Monaten Mai, Juni, Juli und August reicht das Zentrum der Milchstraße über den Horizont.

Deutlich bessere Sichtbarkeit hat man auf der Südhalbkugel. Dort steht das Milchstraßenzentrum in dieser Zeit hoch über dem Horizont.

Tipp: Wer die Stellung der Milchstraße nachvollziehen will, kann das in Stellarium simulieren

Wer also plant, die Milchstraße mit ihrem Zentrum zu fotografieren, sollte sich auf die genannten Monate konzentrieren.

Zusammenfassung

Alle Astrofotografie-Fakten zum Thema Standort, Wetter & Co nochmal in der Übersicht:

  • Fernab von Lichtverschmutzung und während der astronomischen Nacht fotografieren
  • Neumondphase
  • Klare Nächte
  • Optimal sind Nächte mit hoher Transparenz oder ein hoher Aufnahmestandort
  • Mai bis August sind ideal für Aufnahmen des Milchstraßen-Zentrums in unseren Breiten

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9 Kommentare zu “Astrofotografie – Tipps zum Einstieg: Wetter, Standort & Zeitpunkt

  1. Astrofotografie ist etwas sehr Feines und ich kann es kaum erwarten, damit anzufangen. Mit meiner kleinen Bridge wird das nichts, aber bald bekomme ich eine Systemkamera und dann geht’s los! Ich habe mir den Artikel direkt mal auf Pinterest festgehalten, damit ich dann darauf zurückgreifen kann. Im Übrigen finde ich da die App ‘The Photographer’s Ephemiris’ total genial. Sie zeigt nicht nur an, wann Sonne und Mond auf- und untergehen, sondern auch die verschiedenen Dämmerungsphasen.
    UND in einem Forum für Polarlichter habe ich von ‘Red Enhancer’ bzw. didymium-Filtern von HOYA gelesen (die allerdings in Deutschland nicht so leicht zu bekommen sind) und die helfen sollen, die Lichtverschmutzung zu überwinden. Kritiken sind super!

  2. Hallöchen,

    ich finde das ist ein wirklich toller Beitrag zu diesem Thema, und ich hoffe irgendwann auch mal
    die Zeit zu finden, solche Aufnahmen zu machen.

    Grüße aus Berlin

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