Wanderung Trolltunga: eine unvergessliche und erlebnisreiche Tour

Anfang September waren wir für 9 Tage in Norwegen – eine unglaubliche überwältigende Landschaft, die wirklich genauso ist wie man sie aus Dokumentationen oder Filmen kennt. Bei der Reiseplanung stand die Wanderung zur Trolltunga ganz oben auf unserer „wo-wandern-wir-überall-hin-Liste“. Dieser Aufenthalt in Norwegen fokussiert sich daher im Westen, in DER Fjordregion des Landes.

Wanderung Trollunga: Unser Highlight in Norwegen

Das Highlight unserer Reise sollte und blieb das spektakulärste Naturdenkmal Norwegens – die Trolltunga. Wir hatten schon viele Bilder gesehen und waren uns bewusst, dass die Wanderung einen kompletten Tag in Anspruch nehmen wird: 22 km insgesamt, 11km pro Strecke, die ersten 4,6 km steiler Anstieg mit teils matschigen und rutschigen Abschnitten, schreckt sicherlich schon einige davon ab zur Trolltunga zu wandern – dachten wir!

Bis 2004 brachte die Mågelibane, eine Standseilbahn die Touristen den ersten steilen Abschnitt noch nach oben. Aufgrund technischer Probleme musste der Betrieb allerdings eingestellt werden. Noch bis heute erwähnen diverse Interneteinträge den möglichen Aufstieg über die Treppen an der Seilbahn. Bitte auf keinen Fall benutzen, die Treppen sind teilweise sehr morsch und die Seilbahn befindet sich bereits im Abbau!

Erschreckend mussten wir auch feststellen, findet man im Internet Einträge, die leichte Turnschuhe als geeignetes Schuhwerk empfehlen. Wir raten dringend davon ab! Die Wege sind teilweise(!) gut begehbar, es gibt aber auch sehr viele Stellen, die rutschig und keineswegs mit Turnschuhen passierbar sind. Auf eine Wanderung im Dunkeln sollte ebenfalls unbedingt verzichtet werden!

Der Aufstieg zur Trolltunga

Noch etwas müde, jedoch bestens vorbereitet, begeben wir uns um 7:00 Uhr auf die Startgerade.

Die Darstellungen sind nicht verfälscht, der Anstieg hat es in sich. Er ist unglaublich steil und fordert eine gute Kondition. Trotz, dass es einige Tage nicht geregnet hat, sind manche Abschnitte zwischen den Steinen immer noch matschig und rutschig. Volle Konzentration ist gefordert. Der zweite Kilometer lässt einen wieder ein paar Kräfte sammeln, die man für die nächsten beiden Kilometer dringend benötigt. Danach beschwert man sich sicher nicht mehr über die Kälte ;).

Nach den ersten 4 km machen wir eine kleine Essenspause. Die Euphorie auf das was uns in 7 km erwartet, treibt uns allerdings an, so dass wir schnell wieder aufbrechen. Wir stoppen nun nur noch für Kameraaufnahmen, die die sagenhafte Natur festhalten sollen.

Endlich angekommen!

Nach 11 km erreichen wir endlich unser Ziel. Wir haben es geschafft. Tatsächlich ist die Trolltunga erst ganz am Ende zu sehen, man schaut von einem etwas erhöhten Felsen auf sie herunter. Der Anblick ist einzigartig, ein Felsvorsprung, der 700m über dem Boden ins Nichts herausragt. Keine Sicherung, keine Warnschilder – die Natur so rein und grenzenlos.

Ein bisschen mulmig ist mir schon zumute, als Christian ein Foto von mir auf der Trolltunga machen will. Ich steige die Treppen herab, um an den Anfang des Felsens zu kommen. Langsam laufe ich vor und bleibe mit respektvollem Abstand an der Spitze stehen. Es ist wirklich ein unbeschreibliches Gefühl dort zu stehen: Rechts, links und vor dir nichts als Abgrund und der Blick in die Ferne mit Bergen und Stausee.

Nach einer halben Stunde wird es zunehmend voller an der Trolltunga. Mittlerweile bildet sich vor dem Fels schon eine kleine Schlange, alle wollen ein Bild auf der Attraktion. Auch Christian und ich stellen uns nochmal an um für ein gemeinsames Foto zu posieren. Als wir in der Schlange anstehen, erreicht uns die Nachricht, die uns bis heute nicht mehr richtig loslassen will:
Vor 3 Tagen ist hier eine junge Frau abgestürzt, 700m in die Tiefe gefallen, sie wollte nach dem Foto mit zwei Freundinnen auf dem Fels einer Gruppe am Beginn des Felsens ausweichen. Vielleicht hat sie den Abstand falsch eingeschätzt oder ihr Gleichgewicht verloren – allen Spekulationen zum Trotz – es ist und bleibt eine tragische Geschichte.

Wir versuchen die Tragödie vor Ort noch zu verdrängen, uns einzureden, dass es vielleicht ja doch nicht wahr ist. Abends in unsere Unterkunft bringen wir durch Interneteinträge in Erfahrung, dass es wirklich passiert ist.

Der Abstieg und unsere Empfehlung

Nach 1,5 Stunden Pause an der Trolltunga, haben wir wieder die nötigen Kräfte, um den Abstieg anzutreten. Allerdings merkt man spätestens nach den ersten 6 km, dass man heute schon einiges an Strecke hinter sich gebracht hat und das man nicht mehr so fit und aufmerksam ist, wie zu Beginn der Tour. Vor allem der letzte Kilometer hat es nochmal richtig in sich!

Wir haben geflucht und wollten nur noch unten ankommen. Dazu muss man sagen, dass wir physisch ziemlich fit sind. Und genau das unterschätzen viele Touristen, die sich auf den Weg zur Trolltunga machen:
Auch wenn mittlerweile ein richtiger Hype um die Trolltunga entstanden ist, so nehmt bitte unbedingt die Sicherheitshinweise und Anweisungen die Strecke betreffend ernst. Seid nicht zu leichtsinnig, informiert euch über das Klima vor Ort und beachtet die Wettervorhersage und vor allem: tretet der Natur respektvoll entgegen.

Wir haben leider auf unserer Reise immer wieder gemerkt, wie leichtsinnig Menschen an Abgründe herantreten, Absperrungen ignorieren oder Warnschilder missachten.

Norwegen ist ein Land, in der die Natur noch so ursprünglich aber mächtig zugleich ist. Gegen sie scheint der Mensch winzig klein zu sein.


Wie hat der Artikel euch gefallen? Hat er etwas in euch bewirkt? Habt ihr Fragen zur Wanderung oder weitere Anregungen zum Inhalt? Wir freuen uns über zahlreiche Kommentare!

 

 

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16 Kommentare zu “Wanderung Trolltunga: eine unvergessliche und erlebnisreiche Tour

  1. Wow, das sind wirklich tolle Eindrücke.

    Ganz ehrlich, 22 Kilometer mit diesen Bedingungen, das würde ich mir nicht zutrauen. Um so schöner ist es, solche Berichte zu lesen und eure Bilder zu bestaunen.

    LG Thomas

  2. Wow die Fotos von der Trolltunga machen echt Lust auf Norwegen.
    Ich bin ein großer Norwegen-Fan aber bei der Trolltunga war ich noch nicht. In den nächsten Jahren steht bei uns auch wieder Norwegen auf dem Plan. Ich hoffe auf noch mehr inspirierende Norwegen-Touren Ideen auf eurem Blog :)

    • Da musst du auf jeden Fall bei deinem nächsten Besuch hin. Wir werden dort auch nochmal hinwandern, dann aber mit Zelt ;).
      Wir haben noch einige schöne Wandertouren in Norwegen unternommen, über die wir sicher demnächst auf unserem Blog berichten werden. :)

  3. ich war ja nur unten. mit dem schiff. und es ist tatsächlich wunderschön dort. hut ab, da habt ihr ja körperlich einiges geleistet, seid aber dafür auch mit einem wunderschönen erlebnis, einer großartigen erinnerung belohnt worden.

    • Ja, ein Erlebnis, das wir sicherlich nicht mehr vergessen werden! Die Tour mit dem Schiff ist aber sicherlich auch eine Reise wert, so sieht man die Trolltunga und die Fjorde aus einer ganz anderen Perspektive. Das werden wir uns merken :)

  4. Ein toller Reisebericht mit ganz wunderbaren Fotos! Die Trolltunga würde ich mir ohne Training nicht zutrauen. Und da bin ich ganz bei euch: „Norwegen ist ein Land, in der die Natur noch so ursprünglich aber mächtig zugleich ist. Gegen sie scheint der Mensch winzig klein zu sein.“
    Deshalb halte ich mich zurück wenn ich mir etwas nicht zutraue. Es ist schlimm zu sehen was an Unfällen und Dramen passiert, weil wir Menschen uns in der Natur so daneben benehmen. Kurz bevor wir letzten Jahr im Yellowstone Nationalpark waren ist dort ein junger Mann von den Boardwalks gefallen. Es ist natürlich elendig in den Hot Pots verendet :-( Das alles weil er näher ran wollte und ein Foto machen musste…

    In dem Sinne – euch ein sicheres und aufregendes Reisejahr 2017!

  5. Hej,
    was würdet ihr empfehlen – wir sind Ende 20, einigermaßen fit (behaupte ich zumindest) und fanden die Wanderung zum Preikestolen beispielsweise recht einfach. Ist die Trolltunga dann machbar? Und wir haben einen wanderbegeisterten Hund mittlerer Größe dabei (Beagle) – der auch locker und entspannter als wir zum Preikestolen ist.
    Sind nächstes Jahr 6 Wochen in Norwegen und wollten uns eigentlich zur Trolltunga wagen :)

    Liebe Grüße,
    Corinna

    • Hallo Corinna,

      deiner Beschreibung nach zu urteilen, sollte es kein Problem sein. Wenn man früh startet, kann man sich auf der Strecke mehr Zeit lassen. Allerdings muss man wirklich mindestens 9 Stunden laufen. Du kannst wahrscheinlich selbst am besten einschätzen, ob das euer Hund mitmacht :-)

      Ich würde auch davon absehen, den Abstieg in Dunkelheit vorzunehmen. Der Weg zum Parkplatz ist zum Teil wirklich steil und auch durch die vielen Leuten, die dort hin wandern, sehr ausgetreten, matschig und entsprechend rutschig ;-)

      Ihr könnt euch auch mal die Wanderung durch das Husedalen anschauen. Die hat uns auch sehr gut gefallen und ist fast direkt um’s Eck.

      Liebe Grüße
      Christian

  6. Hallo! Vielen Dank für den tollen Artikel und die schönen Bilder. Der Bericht hat uns sehr gut auf unser Norwegenabenteuer und die Wanderung zur Trollzunge vorbereitet. Als wir unsere Wanderung Ende August gemacht haben wurde kurz vorher noch ein neuer Parkplatz oben auf dem Berg eröffnet. Der Weg über die Magelibanen kann nicht mehr gegangen werden. Hier führt im Zickzack die neue Straße hinauf zum Parkplatz. Wer mit dem Auto fährt sollte am besten hier parken. Das spart einem einige Kilometer und macht die Wanderung am Anfang deutlich einfacher. Alle Infos haben wir in unserem Blog zusammengefasst:
    *hier wäre der Link*

    Viele Grüße
    Sabrina & Andreas

    • Hallo Sabrina,

      eigentlich teile ich gerne Links, die meine Leser weiterbringen. Allerdings mag ich es nicht, wenn Leute einen Standardkommentar schreiben und diesen unter allen Reiseblogartikeln zur Trolltunga kopieren :-)

      Grüße
      Christian

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