von der idee zum fertigen foto

Von der Idee zum fertigen Bild

In meinem Artikel „Von der Idee zum fertigen Bild“ möchte ich euch einen Einblick in meine Arbeit geben. Am Beispiel eines Bilds werde ich euch einzelne Gedankenzüge erklären und darstellen, was zur foto- und softwaretechnischen Umsetzung nötig war.

Das ganze möchte ich am Beispiel des folgenden Fotos aufzeigen.

Die Idee und der Beginn

Meine eigenen Ideen entwickle ich häufig durch das Betrachten vieler Fotos in diversen Fotocommunities, z.B. 500px. Dort gibt es so viele wunderschöne Aufnahmen und oft frage ich mich, wie sie entstanden sind. Geht es euch auch so?

Ich versuche dies nachzuvollziehen und überlege, wie die Kamera wohl stand und wie sie ausgerichtet war. Ein für mich ungelöstes Rätsel war die gefühlte Distanz auf Bildern. Fotos mit geringer Distanz wirken auf mich einfach harmonischer. Doch was ist diese „Distanz“?

Um dieses Rätsel zu lösen, verglich ich weitere Bilder und schon war eine Idee geboren: Selbst versuchen, wie Distanz und Nähe auf Bildern wirkt.

Dazu habe ich mir die Frage gestellt, welche Elemente beim Bildaufbau, wie wirken: Brauche ich einen Vordergrund? Benötige ich eine besonders geringe Distanz zwischen Kamera und Boden?

Um diese Fragen zu beantworten, habe ich meine Fototasche gepackt und bin los gezogen.

Die Beobachtung

Natürlich kann man die eigene Idee vom Bild nicht 100% vorplanen. Es empfiehlt sich, einfach mal die eigene Umgebung zu beobachten: Der Blick Richtung Himmel. Der Blick auf den Boden. Der Blick in alle Himmelsrichtungen. Was stelle ich fest?

Gestern pfiff ordentlich der Wind, die Wolken flogen nur so über den Himmel. Gleichzeitig führte der Rhein aufgrund der langen Trockenzeit wenig Wasser. Der ursprüngliche Gedanke mutierte: Von einer einfachen Idee zu einer konkreten Vorstellung.

Technische Umsetzung

Für viele ist die technische Umsetzung der eigenen Idee die größte Hürde. Dafür kann ich euch nur einen Tipp geben: Probieren, probieren, probieren!

Alles, was euch nicht gefällt, kann direkt wieder von der Speicherkarte gelöscht werden, aber mit jedem Bild, das ihr aufnehmt, lernt ihr dazu.

Ein technisches Verständnis von ISO, Belichtungszeit und Blende entwickelt sich. Ihr bekommt durch das Ausprobieren ein Gefühl, wann ihr was, wie einsetzen müsst. Traut euch, auch mal Stativ und Graufilter (im Folgenden auch ND-Filter) zu benutzen und beobachtet, welche Wirkung ihr damit erzielen könnt!

Und wenn es beim ersten Mal noch nicht klappt, nicht aufgeben. Wisst ihr, wie oft ich Sachen ausprobiert habe und dabei nur Grütze herauskam? Also üben, ausprobieren und nicht frustrieren lassen!

Für die technische Umsetzung des Fotos habe ich folgende Komponenten verwendet:

Wie man eine Kamera auf ein Stativ schraubt, möchte ich an dieser Stelle überspringen. Lieber möchte ich euch ein paar Details verraten, die ebenso wichtig sind, wie das Schrauben der Kamera auf das Stativ.

Beim Kauf eurer Kamera sollte eine Okularabdeckung dabei gewesen sein. In der Regel ein kleines Plastikteil, dessen Verwendungszweck vielen beim Auspacken ihrer Kamera wahrscheinlich gar nicht bewusst ist (ging mir genauso :D) ;)

Bevor ihr den Graufilter anbringt, richtet die Kamera aus und macht ruhig ein Probefoto. Dem Probefoto oder der Belichtungsmessung eurer Kamera könnt ihr entnehmen, welche Belichtungzeit bei den aktuellen Einstellungen notwendig wäre. Die Belichtungszeit bitte merken! :)

Nachdem ihr euren Bildausschnitt festgelegt habt und mit der Bildkomposition zufrieden seid, könnt ihr die Kamera abdunkeln. Abdunkeln heißt, den Graufilter und die Okularabdeckung anbringen.

Und jetzt kommt euer Smartphone ins Spiel: Für Android gibt es diverse ND-Rechner. ND-Rechner heißt, auf Basis der aktuellen Belichtungszeit und der Stärke des ND-Filters wird euch eine Sollbelichtungszeit berechnet.

Screenshot der App

Screenshot der App

Die gemerkte Belichtungszeit (in meinem Fall 1/10 Sekunde) und den verwendeten Filter (in meinem Fall ein ND3.0 oder ND1000) einstellen und berechnen.

Wichtig: Die Kamera in den Bulb-Modus stellen. Im Modus-Rad auf „M“ und dann die Belichtungszeit auf „–“ oder „bulb“ justieren.

Mittels Fernauslöser könnt ihr nun auslösen. Die berechnete Belichtungszeit kontrolliert ihr am Besten mit der Countdown-Funktion eures Smartphones.

Und tatarata, hier ist das erste Ergebnis

Etwas zu dunkel, oder? Macht aber nicht’s, den Rest holen wir mittels EBV heraus.

Das ganze probiere ich in verschiedenen Ausrichtungen aus: mit eingeklappten Stativbeinen, mit weitgespreizten Stativbeinen, Hoch- und Querformat und was soll ich sagen, der erste Schuss gefällt mir am besten.

Softwaretechnische Umsetzung

Zuhause am Monitor bestätigt sich mein Eindruck vom Kameradisplay am Rhein. Das Bild im Hochformat bleibt mein Favorit und um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: aus meiner Sicht ist der Vordergrund das wichtigste Element, um Distanz aus dem Foto zu nehmen.

In Lightroom passe ich das Bild noch etwas an. Dazu hebe ich vor allem die Belichtung deutlich an. Weiterhin will ich, dass die Konturen der Brücke besser sichtbar sind und setze so etwas die Tiefen hoch.

Für die Details habe ich euch einen Screenshot von meinen Einstellungen gemacht.

Beim Aufhellen der Fotos werden auch einige Sensorflecken sichtbar. Diese retuschiere ich mit Hilfe der Bereichsreparatur aus dem Bild.

Als nächsten Bearbeitungsschritt nehme ich mir das Bild in Color Efex vor. Dort nutze ich den Filter Pro Contrast und hebe den dynamischen Kontrast an. Die Anhebung des dynamische Kontrasts führt dazu, dass der Wischeffekt der Wolken noch stärker zur Geltung kommt.

Die Umwandlung in schwarz-weiß führe ich ebenfalls mit der Nik Collection durch. Mit dem Filterset Silver Efex ist dies problemlos auch in den Standardeinstellungen möglich. Auch hier wieder ein Screenshot:

Das war’s, von der Idee bis zum fertigen Bild habe ich euch alle Gedanken und Schritte gezeigt.

Ich hoffe, ich konnte euch dazu aufmuntern, die Kamera in die Hand zu nehmen und einfach weiterhin viel auszuprobieren!

Linktipps

Wer an weiteren nützlichen und interessanten Tipps zur Fotografie interessiert ist, dem kann ich folgende Blogs und Artikel ans Herz legen:


Wie immer hoffe ich, dass der Artikel euch gefallen hat.

Euch ging jedoch ein Schritt zu schnell? Ihr habt was nicht ganz zu 100% verstanden? Dann zögert nicht und schreibt mir am besten einfach einen Kommentar unter den Artikel und die Antwort kommt, versprochen! :)

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17 Kommentare zu “Von der Idee zum fertigen Bild

  1. toll gelungen. ich mache das zum teil auch – ich suche mir zwar keine konkreten fotos, aber wenn ich techniken oder ausschnitte oder so sehe, speichere ich die – mal bewusster, mal unbewusster – ab und versuche das in ähnlichen situationen auch einzubauen.
    das bild finde ihc übrigens großartig!

  2. Hallo Christian,

    Danke fürs Verlinken!

    Toller Artikel. Genau so was will ich in den nächsten Wochen auch mal probieren. ND-Filter habe ich schon hier rum liegen, jetzt warte ich auf freie Zeit und einen schönen Wolkenhimmel.

    LG Thomas

    • Hallo Thomas,

      gerne geschehen!

      Ich hoffe, Du hast schon mal Zeit gefunden, den ND-Filter vorne draufzupacken ;)
      Kommenden Montag werde ich mal ein Tele ausprobieren und mich im Taunus morgens auf einer Waldlichtung auf die Lauer legen. Mal gucken, wie das wird :D

      Grüße und ein schönes Wochenende
      Christian

  3. Hi Christian,
    danke für die Erwähnung!

    Schönes Bild und super erklärt. Der wichtigste Tipp neben „probieren“ ist: nimm dir Zeit!
    Es ist echt unglaublich wie viel besser Bilder werden, wenn man sich Zeit nimmt.

    Liebe Grüße,
    Marc

    • Servus Marc,

      gern geschehen. Ich finde die Tipps sind sehr toll und verständlich geschrieben.

      Ja, Zeit ist auch ein sehr wichtiger Faktor.. Ich habe auch vergangenes Wochenende 4 Stunden abends an der Burg Eltz gestanden, verschiedene Winkel ausprobiert, mal mit ND-Filter mal ohne. Ist fast schon eine Art Meditation das Fotografieren.

      Auch dir ein schönes Wochenende

      Gruß
      Christian

  4. Lieber Christian, Dein Beitrag ist ganz nach meinem Geschmack. Danke, dass Du Deine Gedanken mit uns teilst! Die Aufnahme ist Dir fabelhaft gelungen! LG Heike

  5. Lieber Christian,

    das Endergebnis ist wunderschön, aber auch das Bild in Farbe hat was. Ein schöner Beitrag, bei dem man sieht, wie viele Gedanken du dir gemacht hast. Vielen Dank für die Schritt-für-Schritt-Anleitung von der „Idee zum fertigen Bild“.

    Viele Grüße
    Aleksandra

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