acdsee pro 8 testbericht

Im Test: ACDSee Pro 8

Kennt ihr noch ACDSee? Die leichtgewichtige Bildverwaltungssoftware, die wohl Anfang 2000 auf nahezu jedem PC zu finden war?

Auch mein Vater hatte damals die Software auf seinem Rechner installiert und ich nutze sie um meine ersten Bilder zu beschneiden. Fast 15 Jahre ist das nun her und zwischenzeitlich war ACDSee komplett von meiner Bildfläche verschwunden.

Vor kurzen bin ich auf Heise wieder auf ACDSee aufmerksam geworden. Die Software ist erwachsen geworden. Neben der reinen Bildbetrachtungssoftware gibt es nun auch die Möglichkeit Bilder zu bearbeiten. Und ich spreche hier von RAW-Entwicklung und das Arbeiten mit Masken.

Der Aufbau der Software ACDSee Pro 8 richtet sich ähnlich wie Lightroom an dem Workflow des Fotografen aus. Er besteht aus Verwalten, Ansicht, Entwickeln, Bearbeiten und 365. Letzteres ist dabei eher ein Platzhalter für die online Verwaltung und Veröffentlichung von Fotos und wird im Folgenden nicht genauer betrachtet.

Verwalten

Der Reiter „Verwalten“ wirkt auf den ersten Blick sehr unübersichtlich. Bei genauerem Hinsehen sind hier jedoch sehr viele nützliche Funktionen versteckt, wie z.B. eine Stapelverarbeitung oder verschiedene Filtermöglichkeiten.

Wem dies dennoch zu unübersichtlich ist, kann per Drag’n’Drop Bereiche aus dem Bild löschen oder verschieben. Besonders gefällt mir hier, dass man schon in der Übersicht angezeigt bekommt, ob es sich um RAW oder JPG handelt.

Ansicht

Die Ansicht zeigt, wie der Name schon vermuten lässt, das ausgewählte Bild in formatfüllender Größe. Weiterhin gibt es die Option eines Auto-EQ, welches die Bildeinstellung automatisiert anpasst und Auto-Objektiv zum Einstellen von Effekten.

Allerdings werden die Einstellungen nicht automatisch beim Übergang in die Entwickler-Ansicht übernommen und so erschließt sich mir an dieser Stelle der Sinn dieser Option noch nicht ganz.

Entwicklung

Der Reiter Entwicklung enthält zahlreiche bekannte Funktionen und dürfte jedem, der mit CameraRAW oder Lightroom arbeitet, bekannt vorkommen.

Die Grundeinstellung und Feinjustierungen lassen sich sauber auswählen. Wer allerdings von Lightroom gewöhnt ist, bei einem Doppelklick auf den Parameter diesen wieder zurückzusetzen, wird hier vergebens klicken.

Auch war ich etwas verwundert, dass einzelne Rubriken zur Bildbearbeitung einfach wieder zusammenklappen, wenn der untere Bildrand erreicht ist. Man könnte hier aus meiner Sicht viel besser mit Scrollbalken arbeiten.

Sehr cool finde ich, dass man per Maus im Bildbereich einzelne Bearbeitungsschritte vornehmen kann. Zum Beispiel der Bereich „Erweiterte Farben“: Geht man mit der Maus über das Bild, wird angezeigt, welche Farbe man bei Klick bearbeiten könnte. Erfolgt der Klick, kann man durch Bewegung der Maus den Farbbereich entsättigen oder stärker sättigen. Das fokussierte Arbeiten mit der Maus lässt sich auch in vielen weiteren Bearbeitungsrubriken anwenden und mit etwas Übung lassen sich so die Bilder im Handumdrehen perfekt bearbeiten.

Aus meiner Sicht ein sehr cleveres Feature!

Des Weiteren gibt ACDSee Pro hier sehr viele detailverliebte Einstellmöglichkeiten, sodass man wirklich an dieser Stelle schon sehr fein das Bild justieren kann.

Die Funktionen des Korrekturpinsels und des Verlaufsfilters sind am Anfang ungewohnt, jedoch findet man sich schnell zu recht. Hier hätte ich mir allerdings mehr Einstellungsoptionen gewünscht, wie z.B. die Möglichkeit eines Farbverlaufs. Aber mal gucken, ob man das nicht im Reiter „Bearbeiten“ nachholen kann.

Etwas störend finde ich es, dass man bei Bildwechsel gefragt wird, ob man speichern möchte. Aber was passiert dann? Überschreibe ich das RAW mit irgendwelchen Einstellungen? Oder werden die Einstellungen nur als Metadaten neben dem RAW abgelegt?

Um euch eine Antwort auf die Frage zu geben: Die Anpassungen werden als XMP-Datei abgelegt und öffnet man die RAW-Datei in einem anderem Programm ist sie wieder jungfräulich :)

Aus meiner Sicht ist die „Speicher-Frage“ überflüssig und sorgt nur für Verunsicherung beim (Erst-)Anwender.

Bearbeiten

Ist die Entwicklung abgeschlossen, geht es nun an das Feintuning im Reiter „Bearbeiten“.

Dort bin ich sehr positiv überrascht, wie viele verschiedene Einstellungsmöglichkeiten geboten werden. Ich bin begeistert, wie einfach man Dodge und Burn anwenden kann und wie simpel gezielt weitere Effekte umgesetzt werden können.

Ich betone gezielt, weil man bei jeder Option den genauen Bildbereich auswählen kann. Diese Auswahl erfolgt auf verschiedensten Wegen, z.B. per Pinsel oder per Verlaufsfilter.

Wem das noch nicht genau genug ist, kann mit der Option Pixel-Targeting wirklich sehr genau auswählen, in welchem Farb- und Tonbereich das Bild angepasst werden soll. Über Skalen lässt sich die Bearbeitungsmaske anpassen, welche gleichzeitig in einem Vorschaufenster gezeigt wird.

In der Option „Teiltonung“ finde ich dann auch meinen vorhin bemängelten Farbverlauf wieder.

Unter der Option „Spezialeffekt“ erscheint dann allerdings das, was ich leider erwartet habe. Es lassen sich dort Effekte, wie z.B. „Pixelexplosion“ auswählen. Sorry, aber das gefällt mir gar nicht!

Sicherung und Export des Resultats

Sind alle Bearbeitungsschritte abgeschlossen, geht es um das Sichern der Ergebnisse und die Veröffentlichung als JPG.

Wünschenswert wäre es, dass auch hier die Änderungen einfach übernommen und abgelegt werden. Allerdings wird hier eine explizite Aktion des Anwenders gefordert.

Bei der ersten Anwendung von ACDSee Pro 8 kann dies irritieren: Im Speicherdialog ist kein ACDSee-eigenes Dateiformat auswählbar und man könnte irrtümlich annehmen , dass hier bereits das Bild exportiert wird. Dafür gibt es aber eine eigene Funktion!

Egal in welchem Format die Datei gespeichert wird, im Speicherdialog sollte unbedingt die Option „Datenbankinformationen beibehalten“ ausgewählt werden, sonst werden die Entwicklungseinstellungen verworfen! (Denn wechselt man von „Entwicklung“ zum Modus „Bearbeiten“ muss man nicht speichern)

 

Der eigentliche Export der Bilder erfolgt über „Datei -> Exportieren“. Der Rechtsklick auf das Bild für einen Export ist leider nicht möglich.

Die Einstellungen im Export-Dialog sind ähnlich detailverliebt, wie die vielen anderen Einstellungsmöglichkeiten innerhalb des Programms.

Allerdings ist manchen Optionen wirklich Expertenwissen verlangt: Welchen Algorithmus zur Verkleinerung der Bilder verwende ich? In welchem Farbraum lasse ich das Bild ausgeben?

Fazit

Die kanadische Firma ACD Systems liefert mit ACDSee Pro 8 ein sehr umfangreiches Bildbearbeitungsprogramm. Der Funktionsumfang ist aus meiner Sicht deutlich höher als bei vergleichbaren Bildbearbeitungsprogrammen. Gerade mit den sehr zielgerichteten Anpassungsmöglichkeiten hebt sich ACDSee Pro 8 von seinen direkten Konkurrenten ab.

Arbeiten muss ACD Systems noch an der Haptik und Optik. Die Speicher-Systematik finde ich als Anwender nicht nachvollziehbar und die Optik im Entwicklungs-Reiter könnte sich an moderneren Designansätzen orientieren.

Meine positiven und negativen Kritikpunkte in der Übersicht:

Positiv

  • riesiger und detailverliebter Funktionsumfang
  • zielgenaue Anpassungsmöglichkeiten im Bild
  • die Geschwindigkeit der Software
  • der Preis (Aktuell 75€ auf Amazon)

Negativ

  • Pixelexplosion und weitere „Spezialeffekte“
  • Optik der Oberfläche im Reiter „Entwicklung“
  • ACDSee startet automatisch mit Windows ohne mich zu fragen, ob ich das möchte
  • die Speicher-Systematik

Kennt ihr die Software schon und habt noch Anmerkungen? Dann lasst es mich wissen :)

ACD Systems hat mir für den Test eine Lizenz kostenlos zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!

 

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5 Kommentare zu “Im Test: ACDSee Pro 8

  1. Ich finde es begrüßenswert, dass es Firmen gibt, die den (aussichtslosen?) Kampf gegen Lightroom probieren. Konkurrenz ist selten schlecht.
    Ich werfe auch gerne einen Blick auf andere Software. Unterm Strich lande ich aber immer wieder bei Lightroom. Klar, damit kenne ich mich aus. Aber es ist auch einfach sau gut, nicht nur die Entwicklung auch die Bibliothek.
    Wie ist das bei ACDSee? Kann ich Tags vergeben? Kann ich Bilder verschieden bewerten? Kann ich Bilder vergleichen? Usw.
    Das sind alles Werkzeuge, die in Ligthroom einfach so gut funktionieren.

    Ach und, klar hatte ich früher ACDSee auf dem Rechner! :)

    Liebe Grüße,
    Marc

    • Hallo Marc,

      da hast du absolut recht und der Mensch ist nun mal ein Gewohnheitstier. Wahrscheinlich hätte mich die von mir beschriebene Speichersystematik gar nicht gestört, wenn ich es nicht von Lightroom anders kennen würde.

      Zu deinen Fragen: In Lightroom kann man ACDSee-eigene Metadaten vergeben, heißt: eigene Beschreibung, eigene Tags und du kannst sie auch mittels Zahlen von 0-5 bewerten. Weiterhin kannst du Farben vergeben, um sie zu gruppieren. Du kannst sie auf einer Karte auch nachträglich platzieren, um sie geographisch zu ordnen und zu guter Letzt kann man per simplen Rechtsklick Bilder vergleichen.

      Vom Funktionsumfang her ist ACDSee Pro 8 echt ne kleine Bombe

      Gruß
      Christian

  2. Hallo Christian,

    ich verwende nach dem Test der gängigen RAW-Entwickler bzw. allgemein Bearbeitungsprogramme ebenfalls ACDSee Pro 8. War für mich definitiv am intuitivsten und schnellsten.
    Ich benutze gelegentlich die Spezialefeekte, insofern stören mich die ebenfalls angebotenen Spielereien, wie Badezimmerfenster, Abschrägung etc. nicht. Muß ich ja nicht benutzen. Ich denke, diese Optionen sind ein Zugeständnis an die „Facebook-Generation“, die gelegentlich Effektbildchen haben möchte (um es vereinfacht zu sagen!).
    Die „Entwickeln“- Funktion verwende ich im Grunde überhaupt nicht, da ich das alles im „Bearbeiten“-Modus ebenso kann. Einzig für das manuelle Entfernen von CAs bzw. Farbsäumen (was ich im Gegensatz zu dem Automatismus in LR hier dennoch noch nicht mal als aufwändig oder so betrachte) brauche ich es gelegentlich.
    Ich denke, der „Entwickeln“-Reiter ist aufgrund seiner etwas imho unmodernen Optik ein Relikt älterer Pro-Versionen und hier halt belassen worden, um Anwender, die damit bisher gut gearbeitet haben, nicht zu verprellen.
    Auch mit der „Bildrauschen“ Funktion erziele ich mittlerweile für mich sehr gute Ergebnisse. Klar, wenn man von LR oder anderen Entwicklern kommt, mit denen man beim Entrauschen bestens zurechtkam, mag es bei Pro 8 etwas dauern – der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier.
    Bei mir startet das Programm unter Windows 8.1 nicht automatisch, ich muß es schon anklicken. Weiß nicht, was da bei Dir los ist?!
    Summa summarum finde ich es toll, daß ACDSee Pro 8 mal entsprechend gewürdigt und als echte Alternative zu LR und Konsorten präsentiert wird!

    P.S.: Das Anzeigen der Farbe beim Drübergehen mit der Maus über das Bild war mir nicht bekannt. Hab‘ es jetzt durch den bericht hier entdeckt. Sehr gut, Danke dafür!

    • Hallo Christoph,

      vielen Dank für deine Anmerkung zu dem Artikel.

      Ich bin immer wieder froh, auch mal andere Meinungen zu Software zu hören. Nachdem ich fast vier Jahre mit Lightroom arbeite, war es für mich in einigen Punkten eine echte Umstellung als ich die Software testen sollte.

      Ich denke auch, dass die Speichersystematik kein ernstes Problem darstellt, wenn man häufiger damit arbeitet.

      Für mich, der aus der Adobe-Ecke kommt, war es am Anfang nur leider total intransparent und ich habe beim ersten mal meine zahlreichen Einstellungen, die ich vorgenommen habe, einfach nicht gespeichert.

      Ich nutze es unter Windows 7. Vielleicht ist das der Unterschied? Bei mir war es direkt im Autostart ohne mich zu fragen, als Informatiker mag man sowas nicht ;)

      Die Software hat es definitiv verdient und ich kenne auch zahlreiche Fotografen in meinem Bekanntenkreis, die mit der Geschwindigkeit von Lightroom dermaßen unzufrieden sind, dass sie zwischenzeitlich auch auf ACDSee Pro gewechselt sind.

      Viele Grüße und einen schönen Sonntag noch

      Christian

  3. Hallo Christian,

    ich war seinerzeit, als ich mir einen RAW-Entwickler zulegen wollte, todsicher, daß es LR werden würde. Zumal es, und das ist sicher ein großer Vorteil, eine Vielzahl guter Tutorials bei yt bzw. auch entsprechende Fachliteratur dazu gibt.
    Ich habe dann voller Zuversicht die 30 Tage – Testversion wirklich intensiv getestet und war ja auch nicht unzufrieden. Irgendwie bin ich dann auf Pro 8 gestoßen und konnte damit wesentlich intuitiver arbeiten: alles war gefühlt dort, wo ich es brauchte!
    Ein ganz wesentlicher Vorteil, den wahrscheinlich der ein oder andere als irrelevant ansieht, war die Geschwindigkeit der Umsetzung der Korrekturbefehle per Schieberegler, die nämlich unmittelbar war im Gegensatz zu den LR-Korrekturen, die immer mit 1-2 Sekunden Verzögerung hinterher hinkten. Auch die feine Korrektur am Ende der jeweiligen Schieberegler (nenn‘ ich jetzt mal so) per +/- – Pfeilchen fand ich außerordentlich praktisch. Mittlerweile habe ich mitbekommen, daß das bei LR mit einem Umweg (?) auch geht. Aber warum sowas nicht gleich implementieren?
    Gut, das sind nur Nuancen, aber für mich haben sie u.a. dann den Ausschlag gegeben. Und das, obwohl ich dennoch weiterhin LR getestet habe, da ich immer noch auf der Suche nach DER Offenbarung war, die alle oder viele so zu diesem Produkt hin ziehen – ich habe ihn nicht gefunden!
    Dennoch sind LR und viele andere RAW-Entwickler natürlich sehr gute Programme. Nur schauen zu wenige über den Tellerrand hinaus!

    Dir auch einen schönen Sonntag und eine angenehme Woche, Christoph

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