Die Jagd nach dem Nordlicht

Wer träumt nicht schon immer einmal davon das Nordlicht zu sehen?

Ich konnte mir mit etwas Glück den Traum 2013 erfüllen. Es war bereits Oktober und ich hatte noch etwas Resturlaub zur Verfügung. Angepeilt war ein verlängertes Novemberwochenende.

Im Forum von Islandreise informierte ich mich über mögliche Reiserouten in der kurzen Zeit und hatte eigentlich ein aberwitzige Wegstrecke für die kurze Zeit geplant. Im Forum bekam ich erstmal etwas Spott entgegen, dass ich überhaupt im November nach Island will: schlechtes Wetter und kurze Tage, das waren so die Hauptinformationen, die man mir mitteilte.

Ich lies mich davon nicht abhalten und hielt an meinem Plan im November zu reisen fest, denn schließlich hätte ich für Neumond wieder bis Ende Dezember warten müssen. Allerdings änderte ich Wegstrecke etwas ab. Statt bis hoch zu den Westfjorden sollte die Route nur bis auf die Halbinsel Snæfellsnes gehen, um dafür noch ein paar Sehenswürdigkeiten des Golden Circle und der Ringstraße mitzunehmen.

Das erste Mal Nordlicht in Island

Kurzfristig buchte ich den etwas überteuerten Flug für knapp 450€ hin und zurück (Normal bekommt man diesen schon ab 270€). Unterkünfte hatte ich keine gebucht, da der November als absolute Antireisezeit in Island verschrien ist, nur einen Schlafsack hatte ich mir vorher gekauft – falls ich mal einen Abend doch keine Unterkunft finden sollte.

Ich konnte die Zeit bis zum Abflug kaum abwarten und las jeden Tag die Wetterberichte in der Hoffnung klare Nächte zu haben. Leider sollte mir der Wunsch klare Nächte zu haben, verwehrt bleiben. Dauerregen und Temperaturen um 10°C waren vorhergesagt.

Ich landete gegen Abend in Keflavik und holte meinen Mietwagen ab. Die Sonne ging langsam unter und ich war total verwundert über das Wetter – keine einzige Wolke am Himmel!!!

Innerlich feierte ich schon voll das Wetter und freute mich auf die Abendstunden. Ich steuerte frohen Mutes nach Borgarnes, wo ich meine erste Übernachtung eingeplant hatte. Als ich dort eine Unterkunft fand, fragte ich die Frau von der Pension nach den Erwartungen für die heutige Nacht bezüglich der Nordlichter. Sie meinte, dass der Bericht auf Vedur.is keine hohe Wahrscheinlichkeit für das Nordlicht vorhergesagt hat und ich lieber auf dem warmen Zimmer bleiben sollte.

Borgarnes

Irgendwie wollte ich mich damit aber auch nicht so recht abfinden und so wartete ich den Abend ab bis das Zwielicht angebrochen war. Ohne große Hoffnung setzte ich mich in meinen kleinen Mietwagen und fuhr los. Die Straßen waren glatt und mit Schnee bedeckt, der klare Himmel bereits teilweise von Wolken überlagert und so fuhr ich Richtung meiner zweiten geplanten Station: Stykkishólmur.

Auf dem Weg hielt ich einige Male an, beeindruckt von dem tiefblauen Abendhimmel und dem letzten Licht, was langsam am Horizont verschwand.

Zwielicht

Irgendwann war es bereits fast Mitternacht. Der Himmel immer noch dunkel und ich war kurz davor aufzugeben. Nachdem ich bereits bis zum Kirkjufell gefahren war und der Himmel fast gänzlich bedeckt war.

Kirkjufell

Auf dem Rückweg über die 56 und auf ein paar Höhenmeter höher schneite und stürmte es heftig. Gefühlt war ich der einzige, der auf dieser Straße unterwegs war, aber der Himmel klarte – je weiter ich wieder zurückfuhr – auf.

Und plötzlich waren es da, das Nordlicht! Ich hielt es erst für etwas seltsame Wolken und trauten meinen Augen nicht so recht. Als ich dann anhielt war es aber zu sehen. Ich war mitten im Nirgendwo und so entstand auch meine erste Nordlicht-Aufnahme:

DSC_4757

Sicherlich kein Meisterwerk, aber ich war eigentlich auch nur froh, diesen Moment auf meine Speicherkarte bannen zu können.

Immer wieder verschwand das Licht und tauchte von neuem auf. Immer größer und intensiver werdent. Nachdem ich das Naturschauspiel einige Male bewundern konnte, entschloss ich mich noch für ein Selfie :P Zwar nicht modisch mit Smartphone und im Spiegel, allerdings mit Stativ und Fernauslöser.

Selfie

Mittlerweile war es noch später und richtig, richtig kalt geworden. Aber das Nordlicht war zu faszinierend um einfach nach Hause zu fahren. In der tiefen Dunkelheit fuhr ich weiter wieder in Richtung Borgarnes aber ständig auf der Suche nach einem geeigneten Vordergrund um das Nordlicht-Foto noch ein bisschen ansehnlicher zu gestalten.

Doch abseits meines Scheinwerferlichts verschwand alles in tiefer Dunkelheit. Ich stieg immer wieder aus um die Gegend auszuleuchten und Ausschau zu halten. Hin und wieder machte ich Fotos von den auftauchenden Nordlichtern.

Teilweise explodierte der Himmel regelrecht in grünen Farben. Selbst das in der Dunkelheit liegende und verdorrt braune Gras erleuchtete grün. Die Farben wechselten sich zwischen grün und lila ab und es war einfach nur so spektakulär, dass es sich gar nicht in Worten beschreiben lässt. Man konnte mit dem bloßen Auge das Nordlicht wandern sehen, wie es sich über den gesamten Himmel erstreckte und ich direkt darunter stand. Wieder faszinierte mich der Himmel ein Stück mehr.

Nordlicht

Weiter auf meinem Weg kam ich an einem Bauernhof vorbei, der mit seinem zerfallenen Zaun prädestiniert war für ein tolles Motiv, aber leider wollte kein Nordlicht mehr so richtig auftauchen und zu allem Überfluss war auch noch der Fokus meiner Kamera verstellt (was ich allerdings erst zuhause feststellte). Die Fotos, die ich noch machte, waren somit leider alle etwas unscharf.

Nordlicht am Bauernhof

Mit einem wahnsinnig tollen Erlebnis und einigen Fotos auf der Speicherkarte fuhr ich wieder zurück nach Borgarnes, total geflashed von den Eindrücken.

Ihr wollt wissen, wie diese Nordlicht Bilder entstanden sind? Ich habe einen Artikel über die Einstellungen und das nötige Equipment für Nordlichtfotografie geschrieben.

 

 

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10 Kommentare zu “Die Jagd nach dem Nordlicht

  1. Hallo Christian,

    ich bin über Deinen Kommentar zur LZB auf meinen Blog aufmerksam geworden. Deine Nordlichter Fotos sind sehr beeindruckend. Ich hatte bisher noch nicht die Gelegenheit auch nur in die Nähe eines Nordlichtes zu kommen. Nagut vielleicht das eine Mal in Lapland, aber da gab es dann keine ;)

    Gut das Du einfach rausgefahren bist und Dein Ding gemacht hast. Es hat sich gelohnt! Stöbere noch ein bißchen in Deinem Blog.

    LG Synke

    • Hallo Synke,

      vielen Dank für Deine Anmerkung!

      Wenn Du bist jetzt noch nicht die Gelegenheit hattest, hast Du ja ab Mitte September wieder die Möglichkeit! In der Zeit liegt in Island noch nicht all zu viel Schnee und die Tage sind noch nicht zu kurz, sodass man die Zeit tagsüber für das Bestaunen von Wasserfällen und anderen Sehenswürdigkeiten nutzen kann.

      Gruß Christian

  2. Hallo,

    ich war auch im November 2013 in Snaefellsnes und ich kann mich auch an heftigen Schneefall und Nordlichter erinnern, die ewig anhielten. Beeindruckend wie aus einer vermeintlich ‚komischen/ ungewöhnlichen‘ Wolke, so etwas entstehen kann.
    Interessant, dass dir ausgerechnet Leute aus dem Islandforum von einer Reise im November abgeraten haben. Natürlich muss man auch Glück haben, was ich definitiv hatte, aber so schlimm war das Wetter jetzt auch nicht.

    Leider habe ich selber keine Fotos von Nordlichtern. Entweder hatte ich keine Kamera dabei (…) oder sie hielten nur 5min an und ehe ich meine Kamera hatte, waren sie kaum noch zu sehen.

    LG Silja

    • Hallo Silja,

      ich glaube, wir hatten im November 2013 viel Glück mit dem Wetter in Island! Vor allem stand zu dieser Jahreszeit die Sonne so tief, dass man den ganzen Tag eine gewisse Abendstimmung hatte, die Felder golden leuchteten und sich so einige tolle Fotomotive ergaben.

      Oh, das klingt ja etwas unglücklich. Aber dann musst du wohl nochmal nach Island ;)

      Grüße
      Christian

  3. Absolut tolle Bilder! Ich hatte bei meiner Islandreise leider nicht so viel Glück, aber im September sind Nordlichter auch seltener zu sehen. Ich habe nur zweimal ganz ganz leicht welche gesehen und hoffe, dass ich bald in den Genuss komme die tanzenden Nordlichter zu sehen :)
    Du hast mir grad das Fernweh bzw. Nordlicht-Weh (gibt es das?!) in mir geweckt!

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