Effekte auf Reisen: Langzeitbelichtung

Mit Langzeitbelichtung lassen sich zur Tages- und Nachtzeit immer wieder tolle Effekte erzielen und das ein oder andere WOW-Erlebnis ist bei Betrachtung der Fotos garantiert. Die Langzeitbelichtung lässt sich aus meiner Sicht in zwei Richtungen anwenden, die ich euch hier präsentieren möchte.

Grundsätzlich ist für mich die Langzeitbelichtung eines der schönsten Stilmittel, die es in der Fotografie gibt. Einerseits kann man damit – wie ich es nenne – Wischeffekte erzeugen, die Wolken über den Betrachter hinweg ziehen oder Wasserverläufe verschwimmen lassen. Andererseits bekommt man durch Langzeitbelichtung Dinge zu Gesicht, die das bloße Auge kaum oder gar nicht zu erfassen vermag.

Der Wischeffekt

Der Wischeffekt entsteht, wenn ihr lange genug belichtet und Objekte, wie beispielsweise die Wolken, sich in dieser Zeit bewegen, während andere Objekt fixiert sind. Da dieser Effekten am besten zur Geltung kommt, wenn es noch hell ist, müssen Graufilter und Stativ dafür eingesetzt werden.

Ich selbst nutze dafür das Graufilterset von Haida. Meine Entscheidung habe ich vor einem Urlaub getroffen. Kurz vor meinem letzten Island-Trip hatte ich Zeit Filter von B+W und Haida zu vergleichen. Qualitätsunterschiede waren auf den ersten Blick nicht zu erkennen, der Preisunterschied allerdings sofort. Aus diesem Grund trat der B+W Filter wieder die Rückreise ins Amazon-Warenlager an.

Das Set bietet die Möglichkeit für verschiedene Lichtsituationen gewappnet zu sein, da je nach Licht- und Aufnahmesituation der Einsatz eines unterschiedliches ND-Filters sinnvoll ist.

Um verschiedene Wischeffekte zu erzielen, muss mit der Belichtungszeit gespielt werden. Während Wasser schon bei Belichtungszeiten um die 1 Sekunde herum verwischt, benötigt der Wolken-Effekt je nach Wetterlage häufig mehr als 30 Sekunden. (Um länger als 30 Sekunden zu belichten, nutzt eure Bulb Funktion der Kamera). Wischeffekte in der Stadt durch vorbeifahrende Busse oder Taxen belichte ich meist mit 1-5 Sekunden, damit noch erkennbar bleibt, was gerade an mir vorbeifuhr.

Die folgende Aufnahme ist in den Abendstunden in Istanbul erstellt worden während ein Dolmuş über die Ampel fuhr.

Istanbul
Istanbul – ISO100 3sec 14mm f10

Anfangs tat ich mir gerade bei der Verwendung von Graufiltern echt schwer und ich denke, ich habe immer noch einiges an Spielraum nach oben, allerdings (und das könnte den Einsteigern unter euch auch weiterhelfen) gibt es gute und hilfreiche Apps, die darstellen, wann mit welchem Filter wie lange belichtet wird.

Ein Beispiel-App findet ihr unter folgendem Link

Es werde hell

Häufig werde ich gefragt, wie ich bei einigen Fotos so viel Sterne an den Himmel bekomme und mir wird nicht selten unterstellt, die mit Photoshop eingefügt zu haben. Dem ist jedoch nicht so.

Sternen- bzw. Astrofotografie (sofern man diesen Bereich überhaupt schon so nennen kann) ist möglich, wenn in entsprechender Dunkelheit (fernab von jeglicher Lichtverschmutzung) Langzeitbelichtung angewendet und in RAW fotografiert wird.

Da häufig die 30 Sekunden alleine für die meisten Sterne nicht ausreicht, sind Blende und ISO-Wert entsprechend zu ändern.

Die Blende sollte dabei möglichst weit geöffnet werden, damit viel Licht hinein fällt. An dieser Stelle macht es sich bezahlt, wenn ihr ein lichtempfindliches Weitwinkel nutzt. Bei meinen Fotos habe ich das Nikon 14-24 verwendet.

Ein weiterer Vorteil des Weitwinkels ist , dass länger belichtet werden kann als mit anderen Brennweiten. Bei größeren Brennweiten wird bei zu langer Belichtung die Erdrotation sichtbar und die Himmelsobjekte scheinen sich zu bewegen. Es entstehen Sternspuren, die man eigentlich nicht auf den Fotos haben möchte.

Als (Negativ-)Beispiel möchte ich mal ein Foto aus Jordanien präsentieren, das ich 200 Sekunden lang belichtet habe. Ich hatte eigentlich auf stärkere Sternspuren gehofft, aber aufgrund der Brennweite (14mm) reichten selbst 200 Sekunden nicht aus um deutliche Sternspuren zu erzeugen. So hatte ich nur ein am Himmel verwaschenes Foto.

Jordanien

 

Um eine Übersicht zu erhalten, wie lange bei welcher Brennweite belichtet werden kann, habe ich euch einen Link herausgesucht:

Gute Artikel zum Thema Brennweite und Belichtung findet ihr auch unter folgenden Links:

Ist das Foto aufgenommen, passe ich in meinem Bildbearbeitungsprogramm  meist per Verlaufsfilter Kontrast und Helligkeit des Himmels an um den Sternen mehr Wirkung zu verleihen und das war es … :)

Auch bei Langzeitbelichtung gilt, Übung macht den Meister. Mit der Zeit entwickelt ihr ein Gefühl dafür, wann wie lange belichtet werden muss und welche sonstigen Einstellungen ihr an der Kamera vornehmen solltet.

Nachfolgend seht ihr ein paar Eindrücke meines Effekts auf Reisen.

Langzeitbelichtung

Sylt
Sylt – ISO80 30sec 24mm f22 (ND1000 Filter verwendet)
Wiesbaden
Wiesbaden – ISO1600 30sec 14mm f2.8
Wiesbaden
Wiesbaden – ISO100 87sec 29mm f22 (ND1000 Filter verwendet)

Hraunfossar
Hraunfossar Island – ISO50 0,4sec 44mm f22
Island
Irgendwo in Island – ISO50 0,5sec 14mm f11

Hongkong
Hongkong – ISO100 2sec 14mm f10

Ich hoffe, euch sind die Unterschiede in den Effekten aufgefallen, die sich je nach Länge der Belichtungszeit erzielen lassen.

Solltet ihr Fragen zu den Fotos haben, könnt ihr mir gerne schreiben!

Weitere führende Links:

  • Lichtkultur

Weitere Langzeitbelichtungen

 

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1 Kommentar zu “Effekte auf Reisen: Langzeitbelichtung

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